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Freundschaften

von

Referent Marcus Becker

Gute Freundschaften stärken Kinder und Jugendliche und sind für das spätere Leben Schutzfaktoren.  Durch Freundschaften entwickeln sie Selbstvertrauen und lernen soziale Kompetenzen, wie z.B. ihre Wünsche zu äußern, etwas aus einer anderen Sichtweise zu sehen oder einen Kompromiss zu schließen.

Von Babys bis zu Jugendlichen

Schon Babys interessieren sich für andere Babys und Kinder. Ab einem Alter von 3 Jahren gibt es Freundschaften zwischen Kindern. In diesem Alter geht es den Kindern darum, jemanden zum Spielen zu haben, und jedes Kind kann ein Freund oder eine Freundin sein. Freundschaften wechseln schnell, und kommt es zu einem Streit, kann dieser auch schnell wieder behoben werden. Für Kinder im Vorschulalter sind diese Freundschaften wichtig für ihre psychosoziale Entwicklung: sie können ihre Fähigkeiten testen und verbessern, und sie lernen voneinander. Das Selbstvertrauen wird gestärkt und auch der Selbstwert steigt, wenn Kinder die Erfahrung machen, von anderen gemocht zu werden.

Ab einem Alter von ca. 8 Jahren nimmt die Bedeutung von Freundschaften für die Kinder selbst zu und die Freundschaften werden beständiger. Es wird gezielt auf gemeinsame Interessen oder Ähnlichkeiten mit dem Freund oder der Freundin geachtet. Geschlechtsspezifische Unterschiede können auftreten – manche Mädchen reden sehr viel miteinander und stellen eine intensive emotionale Verbindung her. Manche Burschen haben mehrere Freunde und ihre Gespräche sind kürzer und direkter.

Bei Jugendlichen sind Freunde/Freundinnen und Gleichaltrige für die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters – die Entwicklung der eigenen Identität und den Übertritt in ein selbstständiges Leben – immens wichtig. Es geht um gemeinsame Interessen für gemeinsame Unternehmungen aber auch um Vertrauenswürdigkeit und Loyalität. Freundschaft ermöglicht entspannte Gemeinsamkeit und angenehme Erfahrungen aber auch emotionale und soziale Unterstützung. In diesem Alter sind Freundschaften wichtige Schutzfaktoren und beugen vielen psycho-sozialen Schwierigkeiten vor, indem sie das Wohlbefinden und die Entwicklung von sozialen Kompetenzen fördern.

Im Raum Schule

In der Schule ist das Thema Freundschaft für die Schülerinnen und Schüler allgegenwärtig und dennoch oft vernachlässigt, weil es für selbstverständlich genommen wird. Dabei wirkt es sich sehr spürbar aus, ob es gerade in einer Freundschaft gut läuft oder nicht. Der Unterricht, die Konzentrationsfähigkeit und Aufnahmebereitschaft, sogar die Klassendynamik kann durch Freundschaftskonflikte empfindlich gestört werden, da diese Erfahrungen für Schülerinnen und Schüler sehr belastend sein können.

Schulsozialarbeit kann bei diesem wichtigen Thema auf verschiedene Arten unterstützen und den Schulalltag entlasten. Voraussetzung ist, dass genügend Zeit für die Gespräche mit einzelnen Schüler_innen und mit den Kleingruppen zur Verfügung steht. Zusätzliche Gespräche mit den Lehrpersonen sind auch oftmals sehr wichtig. Ebenfalls hilfreich ist ein Raum, in dem eine entspannte Atmosphäre besteht und wo ungestört gearbeitet werden kann.

Konflikte –Deeskalation durch Schulsozialarbeit

Ist ein Streit gerade im vollen Gange, ist es wichtig, jedem Kind die Möglichkeit zu geben, sich zuerst zu beruhigen. Wenn die Beteiligten wieder zur Ruhe gekommen sind, kann eine Konfliktmoderation vorgeschlagen werden. Der Ablauf und die Regeln werden den Kindern erklärt und wenn sie dazu bereit sind, kann begonnen werden. Der Ablauf und die Regeln bieten einen sicheren Rahmen, in dem jedes Kind die Gelegenheit hat, seine Sicht der Dinge zu schildern, die Sichtweisen der anderen zu hören, ihre eigenen Wünsche zu formulieren und Lösungsvorschläge zu machen. Im letzten Schritt einigen sie sich auf eine Lösung, die für alle möglichst gut passt. In Folgegesprächen nach einigen Tagen kann überprüft werden, wie gut das funktioniert hat, oder ob es Bedarf für eine neue Runde der Konfliktmoderation gibt.

Sollte ein Kind nicht dazu bereit sein, an einer Konfliktmoderation teilzunehmen, wird dies von der Schulsozialarbeit respektiert und es werden Einzelgespräche mit dem Kind angeboten. Es fühlt sich vielleicht im Einzelgespräch wohler und hat dort auch die Möglichkeit, seine Sichtweise und seine Wünsche zu sagen, und kann auch Lösungsvorschläge machen.  Auch so können Konflikte bearbeitet werden.

Kinder und Jugendliche erwerben in diesen Konfliktmoderationen verschiedene Fertigkeiten. Einerseits setzten sie sich mit ihren Gefühlen und Wünschen auseinander, andererseits lernen sie die Gefühle und Wünsche der anderen wahrzunehmen und zu respektieren. Die Erfahrung, dass unterschiedliche Meinungen und unterschiedliche Wahrnehmungen nebeneinander bestehen können, ist ein wichtiger Lernprozess im sozialen Umgang miteinander.

Für manche Kinder und Jugendliche ist es nicht einfach, Freunde oder Freundinnen zu finden. Gerade ein Schulwechsel, Klassenwechsel oder Veränderungen in der Zusammensetzung der Klasse können zu großer Verunsicherung bei Kindern und Jugendlichen führen. Oftmals bestehen Ängste aus unterschiedlichsten Gründen. Diese aufzugreifen und die Schüler_innen im Einzelfall konkret zu unterstützen, gehört ebenfalls zum Bereich Schulsozialarbeit. In Kleingruppenarbeiten, z.B. durch gemeinsame kooperative Aktivitäten, können Kinder Erfolgserlebnisse haben. Dies stärkt den Selbstwert, die sozialen Kompetenzen und baut Ängste ab. So kann das Bilden von Freundschaften auch aktiv gefördert werden.

Hilfe für Eltern

In der Familie sind Freundschaften und Konflikte mit Freund_innen sehr oft ein großes Thema. Für Eltern ist dies eine nicht immer leichte Situation, da sie einerseits um ihr Kind besorgt sind, andererseits aber an der Situation nur schwer etwas ändern können. Da kann die Verunsicherung der Eltern groß sein. Der oder die Schulsozialalarbeiter_in ist auch für Eltern eine Ansprechperson, die nicht direkt zum Schulsystem gehört und mit der Sorgen und Bedenken thematisiert werden können.  

Freundschaften zu schließen, zu erhalten und mit Konflikten innerhalb einer Freundschaft umzugehen, bietet viele Erfahrungen und Lernmöglichkeiten:  die eigenen Gefühle kennen lernen, herauszufinden, wie auch mit unangenehmen Gefühlen umgegangen werden kann, Vertrauen und Zuneigung auch außerhalb der Familie erleben. Dies sind für die Kinder und Jugendlichen wichtige Erfahrungen von großer Bedeutung – sowohl für das weitere Leben wie auch für das momentane Wohlbefinden. Schulsozialarbeit hilft, diese wichtigen Erfahrungen positiv zu gestalten.

Emily Bono, Lisa Korak

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